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170 Kraftwerke im gleichen Takt

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Virtuelles Kraftwerk: "170 Kraftwerke im gleichen Takt"

ABG Nova startet im Januar in drei Wohnanlagen ein Pilotprojekt zur dezentralen Energieversorgung


Frankfurt. Heute plant die ABG Nova die Zukunft. «Dezentrale Energieversorgung und virtuelle Kraftwerke» heißt ein Kongress, den Umweltdezernentin Manuela Rottmann um 9.30 im Mainova-Gebäude an der Solmsstraße 38 eröffnet. 120 Besucher werden erwartet.

«Virtuell» – diesem Wort haftet wenig Reales an. Doch das virtuelle Kraftwerk der Mainova nimmt bereits Gestalt an. Mit zwei Blockheizkraftwerken werden in der Ostendstraße 12, in der Hermann-Brill-Straße 12-50 und in der Westenbergerstraße 46-54 bereits drei Wohnanlagen mit 318 Appartements in das Pilotprojekt der ABG Nova eingebunden. Ziel ist es, die Schwankungen bei der Erzeugung von Strom aus Wind und Sonne auszugleichen. Die ABG Nova ist die gemeinsame Innovationstochter des städtischen Wohnungsbaukonzern ABG Holding und des ebenfalls kommunalen Energieversorgers Mainova.

 

Strom und Wärme

Kern des Forschungsvorhabens sind die 170 Frankfurter Blockheizkraftwerke mit insgesamt 20 Megawatt Leistung. Zum Vergleich: Ein Atomkraftwerk (AKW) liefert bis zu 1000 Megawatt Strom. Frankfurt setzt nicht auf Atomstrom, sondern auf Blockheizkraftwerke, die nach dem Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung arbeiten. Konventionelle Kohlekraftwerke erzeugen nur Strom und nutzen die dabei entstehende Wärme nicht, im Gegenteil. Diese wird in die Luft oder ins Wasser abgegeben und trägt dadurch zur Klimaerwärmung bei. Gerade AKW verursachen einen Temperaturanstieg der Flüsse, deren Wasser sie zur Kühlung benutzen. Blockheizkraftwerke nutzten beide Energiearten und haben daher einen hohen Wirkungsgrad von 85 bis 90 Prozent. AKW erreichen nur 30 bis 40 Prozent, Kohlekraftwerke moderner Prägung bis zu 60 Prozent. Frankfurts Kraftwerke dagegen erzeugen Wärme und Strom – egal ob es das Kraftwerk West oder das Müllheizkraftwerk in der Nordweststadt ist. Die Fernwärme wird zur Heizung, aber auch mittels einer Absorptionsanlage wie im Commerzbankturm, zur Kühlung von Gebäuden genutzt. Wie Bernd Utesch, Geschäftsführer der ABG Nova erläuterte, wird derzeit eine Fernwärmeleitung vom Müllheizkraftwerk in die Innenstadt gelegt. Sie soll 2013 fertig werden. Die Innenstadt und Bockenheim können mit Fernwärme versorgt werden. Das ist auch für private Hauseigentümer interessant: Wer ohnehin seine Heizung wegen der Energieeinsparverordnung erneuern muss, kann sein Haus über die Netzdienste Rhein-Main an die Fernwärmeleitung anschließen.

 

Einsatz bei Flaute

30 der 170 Frankfurter Blockheizkraftwerke mit einer Leistung von 30 bis 100 Kilowatt gehören der ABG Holding. Sie versorgt damit 3000 Wohnungen mit Wärme. Die kleinen, lokalen Kraftzellen sollen nun zusammen geschlossen werden, so will es das Konzept des virtuellen Kraftwerks. Sie werden mit Erdgas betrieben. Gesteuert von einer Zentrale sollen sie dann an- und einspringen, wenn beispielsweise regenerative Energiequellen schlapp machen – wegen Windstille oder Wolken am Himmel. «Dafür müssen wir eine Software entwickeln», erklärte Utesch. Diese erarbeite einen Fahrplan, nach dem das Blockheizkraftwerk reagiert und sich zu- oder abschaltet. Wie lange es dauert, bis alle 170 Kraftwerke im Stadtgebiet gleichgeschaltet sind, kann Utesch noch nicht genau sagen: «Es ist ein Forschungsprojekt.»

Quelle: Frankfurter neue Presse (tre)