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Das Bürgerbad wird den Strom nicht mehr los

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Das Bürgerbad wird den Strom nicht mehr los

Da die Blockheizkraftwerke im Merzhausener Bad nunmehr 17 Jahre alt sind, greift das Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz nicht mehr.

MERZHAUSEN. Eine Gesetzeslücke bringt das Bürgerbad Merzhausen in Schwierigkeiten. Die Einrichtung betreibt zwei Blockheizkraftwerke, die sehr effizient die Wärme für das Bad liefern und gleichzeitig auch noch Strom erzeugen. Bislang war alles gut geregelt, denn der Strom wurde ins Badenova-Netz eingespeist und nach dem Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz vergütet. Mit dem Jahreswechsel jedoch fielen die beiden Anlagen aus dem Gesetz heraus – mit nunmehr 17 Jahren sind sie zu alt. Damit erlischt nicht nur die definierte Einspeisevergütung für den Strom, sondern auch die Pflicht des Netzbetreibers Badenova, diesen abzunehmen.

"Wir sind gerade in einem vertragslosen Zustand", sagt Sebastian Ott, technischer Leiter des ehrenamtlich von Bürgern geführten Hallenbades. Dieser Zustand darf jedoch maximal vier Wochen anhalten. Ist dann kein Abnehmer für den Strom gefunden, müssen die Heizkraftwerke abgeschaltet werden. Oder der Strom müsste im Schwimmbad verheizt werden, was energetisch absurd wäre.

Das Problem kennt man beim Bundesverband Kraft-Wärme-Kopplung, BKWK. "Der Gesetzgeber hat offenbar nicht daran gedacht, dass es auch alte Anlagen gibt, deren Vergütung geregelt werden muss", sagt BKWK-Geschäftsführer Adi Golbach. Für Kraftwerke bis 50 Kilowatt greift das Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz (KWK-Gesetz) zwar auch für alte Anlagen, darüber aber eben nicht mehr. Und in Merzhausen stehen zwei Anlagen mit jeweils 50 Kilowatt, die formal als ein 100-Kilowatt-Kraftwerk gelten.


Am einfachsten wäre es nun, die alten Kraftwerke herauszuschmeißen und durch neue zu ersetzen. Dann würde für die Neuanlagen wieder das betreffende Gesetz greifen. Sinnvoll wäre das freilich nicht: "Die Anlagen sind vor sechs Jahren generalüberholt worden, sie laufen trotz ihres Alters noch astrein", sagt Sebastian Ott.

Einen anderen Weg schlägt Verbandsvertreter Adi Golbach vor: Man könne die Anlagen mit Biogas betreiben, wie es auch die Badenova verkauft. Dann rutschten sie in das Erneuerbare-Energien-Gesetz hinein und die Abnahmepflicht für den Strom durch Badenova wäre wieder hergestellt. Die Idee hat auch die gemeinnützige Bürgerbad GmbH schon diskutiert, doch die Wirtschaftlichkeit überzeugte nicht, weil Biogas teurer ist im Einkauf. Kommt man nun in keines der Einspeisegesetze hinein, bleibt dem Bürgerbad nur die Verhandlung mit der Badenova. Doch die verlief bisher erfolglos. Das Thema ist komplex: "Was wir für eine Kilowattstunde bezahlen können, hängt stark davon ab, zu welchen Zeiten und wie zuverlässig der Strom eingespeist wird", sagt Badenova-Sprecher Roland Weis.

Gegen eine solche individuelle Vereinbarung wäre nun grundsätzlich nichts einzuwenden, es wäre die klassische Verhandlung zweier Marktakteure. Das Problem in diesem Fall: Die beiden Seiten verhandeln nicht auf Augenhöhe. Faktisch kann die Badenova die Bedingungen vorgeben, weil sie ohne Konkurrenz agiert. Das liegt an der komplizierten Struktur des liberalisierten Marktes, die es für andere Versorger als den ansässigen Grundversorger unattraktiv macht, die Energie zu kaufen. "Wir haben den Strom drei anderen Unternehmen angeboten, doch keines wollte ihn", sagt Bürgerbad-Vertreter Ott. Die bisherigen Angebote der Badenova seien nicht akzeptabel.

Was also tun? Ott hofft vor allem auf die Kommunalpolitik. Denn zumindest in diesem einen Punkt haben die Badbetreiber Glück: Ende 2011 läuft der Konzessionsvertrag der Badenova mit der Gemeinde Merzhausen aus. Und die Gemeinde hat schon durchblicken lassen, dass sie bei der Neuvergabe auch darauf achten wird, wie der neue Anbieter mit dem Bürgerbad umgeht: "Wir sind mit mehreren Interessenten im Gespräch und haben stets darauf hingewiesen, dass das Bad für uns ein wichtiges Thema ist" sagt Bürgermeister Christian Ante. So könnte das Bürgerbad am Ende doch noch eine starke Position in den Verhandlungen um die künftige Einspeisevergütung erlangen.

Quelle: badische-zeitung.de