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Strom selbst produzieren

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Ende 2011 wird der erste Strom produziert

Martin Wesselmann ist Vorsitzender des Vorstandes der neu gegründeten Biogas Greven eG. Alfons Schulze Jochmaring ist Steuerberater und Gesellschafter der Alfred Haupt KG, er betreut die Biogas Greven eG. Sie planen eine Biogasanlage in Greven. Wie weit sind ihre Pläne gediehen? Wann produziert die Anlage den ersten Strom?

Martin Wesselmann: Der Bauantrag ist in Vorbereitung, nach einer Analyse konkreter Mitgliederdaten wird nun die Anlagenplanung detailliert. Das Wärmekonzept wird derzeit in Kooperation mit den Stadtwerken Greven optimiert. Bei planmäßigem Fortschritt soll spätestens im Dezember 2011 der erste Strom erzeugt werden.

Wie muss man sich das ganze konkret vorstellen: Können die Grevener demnächst bei den Stadtwerken explizit Strom oder Wärme bestellen, welche in der neuen Biogasanlage produziert wurden?

Wesselmann: Der produzierte Strom wird an die Stadtwerke geliefert, diese liefern den Strom an den Endkunden. Grevener Bürger erhalten künftig faktisch teilweise Strom aus nachwachsenden Rohstoffen und müssen nichts Konkretes veranlassen.

Welche Mengen sind da geplant? Wie viel Haushalte könnten durch Ihre Anlage mit Strom oder Wärme versorgt werden?

Wesselmann: Nach derzeitigem Planungsstand wird die Anlage in zwei Bauabschnitten errichtet. Im ersten Bauabschnitt ist eine Kapazität von 1000 Kilowatt elektrischer Leistung geplant. Hiermit können über 2000 Grevener Haushalte versorgt werden. Ein deutlicher Schritt zur Einbindung nachhaltiger Energie in Greven.

Schulze Jochmaring: Hinsichtlich der Versorgung mit Wärme ist festzustellen, dass in Greven weder ein Wärmenetz betrieben noch geplant wird. Folglich scheidet eine Lieferung an einzelne Haushalte aus. Vorgesehen ist vielmehr die Versorgung einzelner Großabnehmer. Hierzu sollen dezentrale Blockheizkraftwerke errichtet werden, um durch den Transport des Biogases Leitungsverluste zu vermeiden. Hierzu müssen nach derzeitigen Planungen zunächst rund sechs Kilometer Gasleitungen errichtet werden.

Was soll denn eigentlich alles in der Anlage verwertet werden? Können zum Beispiel demnächst die Grevener auch ihre Grünabfälle zur Anlage bringen? Wesselmann: Das EEG regelt, welche Stoffe in der Anlage vergoren werden. Das sind neben Gülle aus den Mitgliedsbetrieben insbesondere Zwischenfrucht- und Maissilagen. Details ergeben sich später aus der in Arbeit befindlichen Planung. Derzeit ist die Verwertung von privaten Grünabfällen nicht geplant.

Um die Anlage ständig füttern zu können, wird Mais angebaut. Verschärft das nicht das Problem der fehlenden landwirtschaftlichen Flächen rund um Greven? Was halten Ihre Berufskollegen davon, die nicht an der Anlage beteiligt sind und Flächen benötigen, um Futter für ihre Tiere zu produzieren, die steigende Pacht aber nicht mehr zahlen können?

Schulze Jochmaring: Die Mitglieder repräsentieren rund ein Drittel der Grevener Anbauflächen. Bislang wurde dort unter anderem Körnermais erzeugt und zu holländischen Hühnern geliefert. Künftig wird dieser Mais in Greven veredelt. Das reduziert im Umweltinteresse auch Transportwege.

Wesselmann: Ein Wettbewerb zwischen Grevener Tierhaltern und Biogas-Bauern wird ferner durch die Einbindung anderer Früchte, wie zum Beispiel Gras-Silage oder Zwischenfrüchten, deutlich reduziert. Das entzerrt ferner die Erntebelastung und sorgt für eine abwechslungsreiche Landschaft. In anderen Gemeinden werden diese Anlagen von der Industrie errichtet und betrieben. Wir halten Errichtung und Betrieb in Hand von Grevener Landwirten für vorteilhafter. Letztlich entsteht für viele Landwirte ein zusätzliches Standbein, für einzelne sogar ein Arbeitsplatz.

Schulze Jochmaring: Insbesondere zur Vermeidung steigenden Flächenwettbewerbs zwischen den Grevener Landwirten wurde die Anlage gemeinschaftlich geplant und die Rechtsform der Genossenschaft gewählt. Hier können nur Landwirte Anteile erwerben, die Bedingungen sind für alle gleich.

Wie hoch ist denn eigentlich der geplante Anteil von Energiepflanzen am Substratmix?

Wesselmann: Es ist vorgesehen, etwa 70 Prozent des Substratmixes aus Energiepflanzen bereitzustellen.

Bei der Vorstellung der ersten Pläne für die Biogasanlage waren 70 Landwirte dabei, 50 bekundeten Interesse aber nur rund 45 sind der Biogas-Genossenschaft letztendlich beigetreten. Sind Sie davon ein wenig enttäuscht?

Schulze Jochmaring: Nein, absolut nicht. Wir haben nahezu alle konkret Interessierten als Mitglieder gewinnen können, die Tendenz ist weiter steigend.

In der Diskussion steht als Standort der Anlage eine Fläche an der Schmedehausener Straße. Bleibt es dabei?

Wesselmann: Der Standort an der Schmedehausener Straße vor der Autobahn ist weiterhin aktuell. Sobald dort eine Genehmigung erteilt ist, soll mit dem Bau begonnen werden. Erste Gespräche mit den beteiligten Behörden haben positive Signale erkennen lassen. Faktisch muss das Genehmigungsverfahren abgewartet werden.

 

Quelle: Ahlener Zeitung